Dienstag, 4. April 2023

Hi.

 Hi, it's me.


Hier ist lange Zeit nichts mehr geschehen.

Trotzdem kehre ich regelmäßig wieder hier hin zurück, um mich zu erinnern. Ich weiß fast gar nichts mehr aus der Zeit. Ich habe sie sehr schwer in Erinnerung. Es ist allerdings nichts im Vergleich zu heute.

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Ausbildung, Wohnung, Zukunft. Vielleicht jedoch beginne ich mit dem offensichtlichen Punkten. Meine Transition. It's a boy *wuhu*. Keine Ahnung, wieso ich so lange gebraucht habe, um zu raffen, dass ich mich so unwohl in meinem Körper fühle, weil es der 'falsche' ist.

Meine Transition begann (glaube ich) Ende 2015/Anfang 2016. Zu der Zeit war Selbstverletzung noch ein sehr großes Thema. Ich habe es regelmäßig förmlich genossen. Da ich immer unvorsichtiger wurde und meine Gedanken beinahe 24/7 nur um jegliche Form von Selbstmord handelten, fand ich mich im März 2016 in einer Klinik wieder. Meine Tante brachte mich mitten in der Nacht dort hin. Zu dem Zeitpunkt habe ich vielleicht zwei Wochen bei ihr gewohnt. Zwei Wochen, die ihr ausgereicht haben. Sie erkannte, dass das so nicht weitergehen kann. Ich habe nicht viel mit ihr über mein Leid gesprochen aber sie erkannte es. Meine Mutter hat das jahrelang nicht erkannt oder erkennen wollen (dazu gibt es später auch noch spannende Fakten, juhu).

Aus meiner Klinikzeit ist wenig hängen geblieben. Ich erinnere mich nur an meine Zimmernachbarin, die mich wirklich außerordentlich oft auf die Palme gebracht hat und meine Diagnose auf dem Entlassungsbericht. Borderline.

Außerdem habe ich mich dort erstmals zur Thematik der Transsexualität geäußert und wurde vereinzelt sogar mit meinem Wunschnamen angesprochen. Das war alles ziemlich komisch und ich habe mich unsicher damit gefühlt.

Nach Entlassung zog ich wieder zurück zu meiner Mutter. Bei ihr ist während meinem Klinikaufenthalt auch einiges passiert. So sagte sie zumindest. Sehen konnte ich davon nur, dass sie ENDLICH (nach 16 Jahren hin und her) die Scheidung eingereicht hat. Der Spaß hat durch etliche Verzögerungen meines Vaters einfach 3 Jahre gedauert.

Vorsichtig brachte ich auch bei ihr das "Jona-Thema" zur Sprache. Sie nahm es hin. Einfach so. Ohne große Reaktion. So wie alle anderen großen Schritte, die ich ging. Ich vermute sie hatte einfach keine Lust mehr auf meine ständigen Besonderheiten. Meistens kann ich das verstehen, wenn ich darüber nachdenke. An manchen Tagen bin ich sauer auf sie. Auch wegen anderen Anzeichen, Ratschlägen & Bitten von Therapeuten, die sie ignorierte. Oder nicht wahr haben wollte, keine Ahnung. 

Im späteren Verlauf meiner Transition wurde sie aber zunehmend unterstützender. Sie outete mich vor meiner Familie. Auch wenn ich nichts mehr hasse, als mit Familienmitgliedern über solch intime Probleme zu sprechen, war das nicht der richtige Weg. Es hat Jahre gebraucht, bis wieder alle Familienmitglieder mit mir sprachen. Ich gehe davon aus, dass es keine "Transphobie" war, sondern eben der Fakt, dass ich nicht mit ihnen gesprochen habe. Verstehe ich - meistens. Seltsamerweise hat mich das gar nicht so gestört. Ich hatte ohnehin keine enge Bindung zu den meisten. (Meine Tante & Onkel, bei denen ich gewohnt habe, sind da ausgenommen. Sie waren Team Jona von Tag eins an!) Warum ist das so? Wieso fühle ich mich unwohl in meiner Familie? Ob das in die Richtung Generationstrauma geht? Meine Großeltern waren laut Erzählungen nicht gerade die Vorzeigeeltern. Oder ob das auf meine chaotische Kleinkindphase zurück geht? - Letzteres finde ich tatsächlich sogar spannend. Also einfach den Fakt, dass in den verschiedenen Sozialisationsphasen vieles kaputt gemacht werden kann. Auch als Baby schon - das hätte ich nicht gedacht. Ich habe mir erzählen lassen, dass meine Mama damals ziemlich überfordert mit der Situation war und meine Oma und meine Tante sogar das Jugendamt einschalten wollten. 

Ihr werdet staunen, was ich noch alles so erfuhr aus meiner Kindheit/Jugend.

Zurück zu meiner Transition. Ich hatte das Glück auf keinen großen Widerstand zu treffen in meinem Umfeld. Anfangs traute ich mich oft nicht, mich mit "neuem" Namen vorzustellen. Ich hatte das Gefühl damit Umstände zu bereiten. Das Aufwand Nutzen Verhältnis war für mich nicht gegeben. Es war für mich viel schwerer es auszusprechen, als leise zu leiden. Das ist übrigens auch heute noch so - haha. Meine engsten Freunde unterstützten mich in der Zeit sehr. 

Ich hatte während der Transition große Probleme, die einzelnen Schritte "anzugehen". Therapeut:in, Namens- & Personenstandsänderung, OP's usw. Andere Transidente ballern das gefühlt in sechs Monaten durch - ich brauche bis Dato sechs Jahre. Therapiestart war 2017, Testo 2018, Personenstandsänderung Ende 2019, Hysto & Mastek Ende 2020. Seitdem passiert nichts mehr. Ich verpenne regelmäßig meine Testosteroninjektionstermine und schiebe eine Mastektomiekorrektur schon seit Jahren vor mir her. Ich glaube, dass ich mich so lange so sehr gehasst und nicht wertgeschätzt habe, dass es mir jetzt unmöglich ist, irgendwas von dem vorher genannten aus eigener Kraft in die Wege zu leiten.

Ein Therapeut müsste her. Aber die muss man anrufen, sagen warum man anruft und dann warten. 

Auf meinem Weg bis jetzt sind noch viele andere Dinge passiert. Ich habe Menschen kennengelernt, die mich nun tagtäglich begleiten, aber auch einen Menschen verloren, der mir ab und an immer noch durch den Kopf geistert. 

Ich bin verlobt seit letztem Jahr. Komisch, oder? Wir haben uns auch echt seltsam gefühlt, als es soweit war. Hatten Angst. Einfach weil wir so unglaublich schlechte Erfahrungen mit unseren Eltern gemacht haben. Ich werde in einem späteren Eintrag auf sie zurückkommen. Dieser hier ist so negativ belastet - das gefällt mir nicht.

Papa.

Papa? Wer ist das? Last seen 2017. Glaube ich. 

Unsere Beziehung war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Wieso? Nun... Stellt euch vor ihr heiratet vollkommen überstürzt, weil ihr es eurer Freundin recht machen wollt. Nun seid ihr gefesselt, weil ihr das eigentlich gar nicht wolltet. Ihr bleibt eurer - nun Ehefrau - fern. Diese bekommt Angst. Sie entschließt sich, schwanger zu werden, um euch zu binden. 

Ich glaube, darauf hätte ich auch keine Lust. (Ich glaube übrigens ich habe da eine tödliche Dosis von beiden meiner Elternteile geerbt... Also dem "Recht machen" oder "Frieden wahren zum eigenen Nachteil")

Ich weiß, das entschuldigt nicht, was danach alles passierte zwischen meinem Vater und mir. Aber nachdem ich diesen Fakt erfuhr ging es mir besser mit der Situation. 

Du bist geflohen. Oft. Heute kann ich das verstehen. Ich renne auch meistens weg. Einfach weil es schwer ist, zu hause zu sein... Verantwortung zu übernehmen, Liebe zu teilen. Geborgenheit zu schenken. Aber als Kind bzw. junger Mensch versteht man das nicht. 

Wir waren oft irgendwo unterwegs. Bestimmt war das auch toll. Nur erinnere ich mich weitestgehend an die negativen Sachen. Du hast uns oft versetzt, oftmals Dinge versprochen, die du nicht eingehalten hast. Du bist immer weiter weg von uns gezogen. Warst am Wochenende da, um uns ab und zu irgendwelchen Leuten zu präsentieren, uns einzukleiden und uns zu kritisieren. Vor allem aber hast du Mama kritisiert. Es gab keinen Sonntag Abend an dem du wegfuhrst, ohne dich mindestens eine Stunde lang mit ihr zu streiten. Du hast sie für meine schlechten Noten verantwortlich gemacht, für Theos Fehlverhalten (als Kleinkind wohlbemerkt, lol), dass wir am Mittagstisch reden und nicht schweigend essen, usw. 

Zurückgelassen hast du eine vollkommen aufgelöste Mutter. Sie brauchte Unterstützung von dir. Sie bekam sie von uns.

Du hast mir beigebracht, dass es normal ist, auf Distanz zu leben und nur wenig Zeit für seine Liebsten aufzubringen. Fällt mir heute schwer, btw. 

Ich bin gerne allein.

Heutzutage sind Feiertage nur voller Schmerz. Nur heute? Nein. Sie waren damals auch schon furchtbar. Wir mussten uns verstellen und so tun als wären wir happy. 

Du sagtest immer, dass es des Geldes wegen sei. All die Distanz. Nur haben wir echt oft nichts von dem Geld gesehen. Mama musste jeden Cent rumdrehen damals, weil du keinen Unterhalt überwiesen hast. Spar dir bitte dein "Aber das stimmt doch gar nicht. Auf dem Kontoauszug ist es abgegangen.". Ich bin jetzt groß und weiß wie es ist, wenn man sich das Geld nicht einteilen kann oder die Kosten unterschätzt. Bisschen Ehrlichkeit wäre angebracht gewesen. Auch das habe ich mir sehr schnell von dir abgeguckt. Lügen. 

Lügen und mich interessanter darstellen, als ich bin. Das habe ich früher echt on a daily base gemacht. 

Heute ist das nicht mehr notwendig - so oft rede ich nicht mehr.

Es war immer ein on off zwischen uns. Mal warst du ein Teil meines Lebens, mal nicht. Du hast, glaube ich, immer mal ein schlechtes Gewissen gehabt, oder doch mal Sehnsucht nach Liebe verspürt. Dann hast du dich gemeldet. Oder wenn ich irgendwas gemacht habe, mit dem man angeben konnte.

Vielleicht habe ich mir das auch abgeguckt. Und mich nur gemeldet, wenn ich was brauchte. Und da du mir nur finanzielle Gefallen tun konntest, führte das Eine zum Anderen. 

Ich wollte nie so werden wie du, bin dir aber ähnlicher als ich will. 

Trotzdem hätte ich dich gerne wieder in meinem Leben. Vielleicht schreibe ich dir mal und wir quatschen. 

Während der Scheidung wurde ich oftmals zum Nachrichtenüberbringer und Ventil. Ich war jung und dumm und habe das mitgemacht. Ich wurde oft wütend, weil ich wollte, dass Mama endlich abschließen kann und du aufhörst zu lügen. Das war falsch. Ich habe mich auch irgendwann von diesem Prozess distanziert - gesagt habe ich trotzdem viele verletzende Sachen. Das tut mir im Nachhinein auch leid.


Meine Konzentration neigt sich dem Ende zu. Vielleicht schreibe ich die Tage mal weiter. 

Gute Nacht



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Joa

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Meine Impulsivität nervt mich. Jahrelang habe ich überlegt, ob ich mich wieder bei dir melde...