Ich? Für jeden jemand anderes.
Zumindest damals.
Das liest man heute häufiger auf Instagram. Diese "Wow du hast so eine schöne Persönlichkeit." - "Danke, es ist eigentlich deine" - Memes.
Ich glaube ich habe damit angefangen, weil ich anders war. Ich musste echt lange überlegen, wie ich das ausdrücken kann. Anders trifft es denke echt gut. Alles in meinem Leben ist *anders*. Nichts ist normal.
Aufgewachsen im Chaos.
Teilweise. Es ist komisch zu beschreiben. Meine Kindheit hatte mehrere Seiten. Ein kleiner, schöner Teil waren die ganzen Unternehmungen, die Mama mit uns gemacht hat. Ein weiterer kleiner aber nicht so schöner Teil waren die seltenen Unternehmungen mit Papa. Auswärts schick mit fremden und wichtigen Personen essen. Benehmen und mitspielen müssen, damit er zufrieden ist. Dann ist da der schulische Teil... Auffällig war ich oft genug. Es gelang mir jedoch die "besorgten" Anrufe meiner Klassenlehrerin mit "Sie ist gerade nicht zu hause." abzuwimmeln, während die Frau, die "nicht zu hause" war, mich im Hintergrund anschrie. Ach ja und der größte Teil. Der Teil in dem ich mich schlecht fühlte und verantwortlich für Mamas schlechtes Leben.
Inzwischen weiß ich, dass ich echt wenig mit der damaligen Situation meiner Mutter zutun hatte. Dennoch habe ich mich dafür gehasst. Als junger Mensch dachte ich, dass es meine Schuld sei, dass Papa Mama angeschrien hat, weil wir nicht seinen Vorstellungen entsprachen.
Alles was ich damals dachte war: "So will ich nicht werden."
Trotzdem lernte ich, mich zu verbiegen, mich so zu verhalten, dass es wenige oder keine Auseinandersetzungen gab. Ich wurde ein peoplepleaser.
Ich merkte außerdem, dass mir diese Fähigkeit auch in meinem sonstigen Umfeld wirklich nützlich war. Ich hatte oftmals große Probleme damit, bei Mitschülern und Freunden anzukommen. Ich habe immer meinen Willen durchgesetzt und nur auf meinen Spaß geachtet. Die anderen waren mir total egal. Es ging sogar soweit, dass ich in der Grundschule meine Freunde in den Würgegriff nahm, wenn ich wütend wurde. (wtf?)
Ich verstellte mich also. Ich war für jeden jemand anderes. Anfangs fand ich das super seltsam. Es hat sich nicht richtig angefühlt. Die Angst vorn Konflikten trieb mich an.
Zumindest glaube ich das. Ich erinnere mich kaum noch. Ich frage mich, wie ich das ausgehalten habe. Jetzt fällt es mir so schwer an Gesprächen teilzunehmen, die mich nicht interessieren. Seitdem ich Testosteron nehme habe ich aufgehört, mich zu verstellen (glaube ich).
Jetzt bin ich nur noch selten der people pleaser. Ich bin mehr so der, der Dinge sagt, die niemand hören will.
Mama sagte letztens zu mir, dass ich als Kind auch schon so war. Ich hatte ein wirklich mieses Feingefühl für Gespräche und verletzende Themen. Ich verstehe oftmals die Gefühle meines Gegenübers nicht, habe aber auch kein großes Interesse daran. Als hätte ich das alles verlernt.
Ich habe verlernt ich zu sein.
Diesmal ist mir der Eintrag ziemlich schwer gefallen. Es ist hart zu denken. Aktuell noch viel mehr als sonst.
It's dark in here.
Am 09. Mai habe ich ein Vorgespräch für die Klinik. Ich hoffe, ich muss nicht allzu lang warten.
Ich halte mich nicht mehr aus.
Gute Nacht
PS: Hallo Zukunfts-ich. Du hattest die Idee, dass dein selbst verletzendes Verhalten mit Dopamin zutun hat. Weil du Spaß daran hattest, du kranker Mensch.
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